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Die diatonische Mundharmonika, und was sie so kann… .

Oftmals ist die erste Mundharmonika, die man in die Finger bekommt, eine Hohner Bluesharp. Und dabei handelt es sich um eine diatonische Mundharmonika. Auf dieser Seite erkläre ich, was eigentlich eine diatonische Harp ausmacht, welche Typen von diatonischen Mundharmonikas es gibt, und für welche Musikstile und Spieltechniken man “die Diatonischen” einsetzt.

Was heißt diatonisch? Und was genau ist eine diatonische Mundharmonika?

Als “diatonisch” bezeichnet man eine Tonleiter, die durch die sieben Stammtöne (C-D-E-F-G-A-H) geht. (Und noch einige Bedingungen erfüllt – aber das soll hier kein Musiktheorie-Seminar werden)

Das besondere an einer diatonischen Mundharmonika ist nun, dass sie nur die Töne einer einzigen Tonart enthält – eben diese besagten Töne einer diatonischen Tonleiter. Bläst man also wahllos in sie hinein (oder zieht an ihr), so klingt es vielleicht nicht besonders musikalisch, aber auf keinen Fall schief. Weil eben alle Töne innerhalb einer Tonart “richtig” sind.

Das hat den großen Vorteil, dass man bei einer diatonischen Mundharmonika mit bestimmten Spieltechniken wie dem “Zungenschlag” seine eigene Melodie mit Akkorden begleiten kann.

Da die diatonische Harp eben von Natur aus erstmal nur eine Tonleiter “spielt”, druckt man ihr diese Tonart auch gleich auf. So dass man also z.B. eine C-Dur-Harp, eine Harp in D und eine in E im Koffer hat, möchte man in diesen Tonarten spielen. (Ich spreche hier jetzt von einer Tonart, z.B. C-Dur. Die Töne der entsprechenden Moll-Tonleiterbzw. entsprechender Kirchentonarten sind damit natürlich auch vorhanden, der Aufdruck auf der Harp orientiert sich aber immer an Dur.)

In welchen Musikstilen wird die diatonische Mundharmonika eingesetzt?

Man findet diatonische Harps hauptsächlich im Blues und Rock. Hier weist schon der Name des wohl bekanntesten Modells dieser Mundharmonika, die Hohner Bluesharp drauf hin. Das die Hohner Blues Harp (bzw. jede diatonische Harp, auch von Seydel, Suzuki & Co) im Blues so beliebt ist, liegt unter anderem daran, das man auf ihr bauartbedingt sehr gut Töne “benden”, also “biegen” bzw. ziehen kann. Dies erreicht man durch eine bestimmte Art, den Mundraum zu formen, an der Harp zu ziehen und so die Stimmzungen auf eine bestimmte Art zum Schwingen zu bringen.

Diesen Bending, das Ziehen der Töne, erzeugt einen schön dreckigen, “leidenden” oder klagenden Klang. Ideal für Blues oder rauhen Rock.

Neben dem Blues findet man die Harp auch in verwanden Stilistiken wie dem Country, Folk, Jazz oder Soul. Aber auch in der Volksmusik findet man die Blues Harp gerne mal. In der klassischen Musik sind diatonische Mundharmonikas schon eher die Ausnahme – hier trifft man eher auf chromatische Harps.

Was sind “Richter” Mundharmonikas?

Richter Harps sind die bekannteste Bauform von diatonischen Mundharmonikas. Eben die bekannten Blues Harps, z.B.. Ein Herr Richter aus Deutschland hat Ende des 19. Jahrhunderts die Bauform, so wie wir sie in der Form der Bluesharp heute kennen, definiert – quasi erfunden. Darin enthalten war die Tonfolge, die diese Harp spielen kann, und auch die Konstruktion, die eben das besagte Ziehen der Töne erlaubte, und somit den typischen Kland dieser Richter Harps bzw. diatonischen Blues Harps prägte. Dadurch war es möglich, aus einer Mundharmonikas, die 20 Stimmzungen enthielt, trotzdem 37 Töne zu kitzeln. Quasi ein Meilenstein – und trotzdem ein Instrument, welches klein, handlich und günstig herzustellen war.

Kein Wunder also, dass die Richter Harp kurze Zeit später in den Taschen von europäischen Einwanderern Ihren Weg nach Amerika fand, und hier innerhalb kürzester Zeit so berühmt wurde, dass Ihr Sound geradezu zum Synonym für den Wilden Westen wurde. (Gut, ein Western namens “Spiel mir das Lied vom Tod” incl. entsprechender Melodie dürfte dabei nicht ganz unbeteiligt gewesen sein. Und das, obwohl die Melodie auf einer chromatischen Harp gespielt wurde). Der Sound des Blues wurde also quasi mitgeprägt durch die Erfindung eines Herrn aus dem Erzgebirge. Getragen haben die Herren während sie ihre Mundharmonika bliesen blaue Hosen eines Herrn Levi Strauss aus Buttenheim in Oberfranken. Tja, man muss schon sagen, unsere Vorfahren waren nicht ganz unbeteiligt am für uns heute typischen Bild von Amerika.

Kann man mit einer diatonischen Mundharmonika auch außerhalb “ihrer” Tonart spielen?

Ja, das geht. Und zwar auf mehrere Weisen. Die erste Möglichkeit, aus einer diatonischen Mundharmonika Tonartfremde Töne zubekommen, ist ein gezielter (und gekonnter) Einsatz des des Bendings.

Wenn ich einen Ton auf der Harp nicht einfach nur etwas nach unten biege, um einen bluesigen Effekt zu hören, sondern ganz gezielt und exakt einen Halbton (oder einen Ganzton), dann kann ich Töne erzeugen, die Mundharmonika erstmal nicht enthält. Zusammen mit einer weiteren Technik, dem “Überblasen” (Overblowing), das noch etwas schwieriger ist, und bei dem ich den Ton um einen Halbton nach oben ziehe, sind so alle 12 chromatischen Töne unseres Tonraumes spielbar. Je nach Tonart der Mundharmonika sind allerdings einige Töne schwieriger zu erreichen als andere, aber mit viel Übung geht das.

Neben diesen spieltechnischen Tricks, weitere Töne aus der Mundharmonika zu holen, gibt es noch einige technische Kniffe. So gibt es Instrumente, die im Grunde mehrere Harps in einer vereinen. Hier sind die sogenannten “Wender-Mundharmonikas” zu nennen. Man spielt auf ihnen in einer ganz normalen Tonart – und wenn man eine andere Tonart benötigt, dreht man sie um – und bespielt von der anderen Seite eine andere Tonart. Mit sogenannten “Radwendern” (optisch wie das Rad eines Mississippidampfers) kann man das mit noch mehr enthaltenen Tonarten auf die Spitze treiben.

Dieses Wenden oder Wechseln zwischen den Tonarten ist natürlich kaum möglich, wenn man innerhalb einer Phrase einen Tonartfremden Ton benötigt. Wenn es aber z.B. darum geht, bei einem Jazzstück kurzzeitig mal die Tonart zu wechseln, dann kann das schon ganz praktisch sein.

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